Unfall was nun? – Gemeinsam gegen Kürzungen

(v.l.) Thomas Kratz, Rechtsanwalt Kai Schnabel und Matthias Nau.

Ein Verkehrsunfall stellt für viele Menschen ein Ärgernis dar, das nicht selten mit vielen Fragen und zunächst auch Einschränkungen verbunden ist. Jeder der bereits einen Verkehrsunfall erlitten hat weiß, auch wenn er selbst nicht an diesem Schuld war, dass es häufig zu Problemen kommt, auch wenn die Haftung bereits geklärt scheint. Die Versicherungsgesellschaften versuchen die Ansprüche der Geschädigten zu beschneiden, um den eigenen Verlust zu minimieren. Um Geschädigte eines Verkehrsunfalles umfassend aufzuklären, empfehlen Werkstätten in der Regel die Einschaltung eines Rechtsanwaltes. Dies erscheint vielen Geschädigten zunächst befremdlich und ist mit der Vorstellung behaftet, dass es hierdurch zu Komplikationen kommt, doch genau das Gegenteil ist der Fall. Die Einschaltung eines Rechtsanwaltes zur Abwicklung eines Verkehrsunfalles stellt lediglich die sogenannte Waffengleichheit sicher.

Um über die Vorurteile und gewisse Mythen die sich um die Unfallabwicklung ragen aufzuklären, haben wir uns heute drei Kfz-Unternehmer und einem Rechtanwalt mit Schwerpunkt im Verkehrsrecht zum Interview geladen.

Seit geraumer Zeit arbeiten Thomas Kratz und Ralf Kehl, Inhaber der Kratz & Kehl Auto- und Reifenservice GmbH, einer freien Kfz-Werkstatt mit Sitz in Osthofen, die 16 Mitarbeiter/-innen beschäftigt und der Verkehrsrechtsanwalt Kai Schnabel, in Unfallsachen eng zusammen. Dies trifft auch auf unseren vierten Gesprächspartner zu. Herr Matthias Nau beschäftigt derzeit 21 Mitarbeiter in seinem Autohaus in Westhofen, dass bereits 1937 eröffnete.

Insbesondere wenn es um die Durchsetzung von Schadensersatzansprüchen gegen die Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers geht, ist der Geschädigte auf Rechtsanwalt Kai Schnabel, mit Schwerpunkt im Verkehrs- und Strafrecht angewiesen.

Welche Erfahrungen beide Seiten mit den Haftpflichtversicherungen gemacht haben, soll das nachfolgende Interview einmal näher beleuchten.

Herr Kratz, wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Herr Schnabel?

In den vergangenen Jahren mussten wir immer wieder feststellen, dass unsere Kunden als Unfallgeschädigte auf ihren Kosten oder Teilen des ihnen entstanden Schadens sitzen blieben. Die Haftpflichtversicherungen machen es unseren Kunden nicht leicht und nehmen bei der Schadenabwicklung leider standardmäßig Kürzungen vor. Da wir einen engen Kontakt zu unseren Kunden pflegen und deren Rechte bestmöglich vertreten wissen wollen, wurden wir auf Herrn Schnabel aufmerksam, der die Kanzlei eines langjährigen Weggefährten übernommen hat.

Herr Schnabel, seit wann befassen Sie sich mit dem Verkehrsrecht und was reizt Sie daran?

Mit dem Verkehrsrecht und der Abwicklung von Unfallschäden befasse ich mich seit dem ein ehemaliger und geschätzter Kollege seine anwaltliche Tätigkeit als Rechtsanwalt in Osthofen aufgegeben hat. Das war vor ungefähr 2 Jahren. Seither habe ich den Kontakt zu den örtlich ansässigen Werkstätten intensiviert und insbesondere die Kommunikation untereinander verbessert. Ich selbst habe schon seit Jahrzehnten ein Faible für Autos, da lag die Wahl des Schwerpunktes im Verkehrsrecht nahe. Seitdem ich mich mit dem Verkehrsrecht befasse, muss ich in meiner täglichen Praxis feststellen, dass die Unfallabwicklung stets ein Kampf David gegen Goliath darstellt, dem viele Geschädigte hilflos gegenüberstehen. Die Herstellung der sogenannten Waffengleichheit ist ein wesentliches Anliegen, welches mein Team und mich täglich antreibt. Man muss sich vor Augen führen, dass die Abrechnungspraxis der Versicherungen nicht nur eine finanzielle Belastung für den Geschädigten, sondern auch für Kfz-Betriebe – infolge der nicht oder verzögert oder nur teilweise bezahlten Rechnungen- darstellt. Es widerstrebt meinem Gerechtigkeitsempfinden, wenn der Geschädigte, insbesondere im Falle eines unverschuldeten Verkehrsunfalles am Ende auf irgendwelchen Kosten sitzen bleibt.

Herr Nau, wie läuft die Zusammenarbeit mit Herrn Schnabel denn konkret ab?

Aufgrund der schlechten Erfahrung in der Vergangenheit, lassen wir es uns nicht nehmen unseren Kunden anwaltlichen Rat und eine Vertretung ihrer Interessen nahezulegen. Bei Interesse verweisen wir den Geschädigten an Herrn Schnabel, der angesichts der örtlichen Nähe auch kurzfristig zur Verfügung steht. Die Schadenabwicklung und den damit einhergehenden Schriftverkehr mit den Versicherungen übernimmt dann komplett sein Kanzleiteam. Dies gibt uns die Möglichkeit uns auf unser eigentliches Betätigungsfeld, nämlich die Reparatur und den Verkauf von neuen und gebrauchten Fahrzeugen zu konzentrieren. Hierdurch wird gewährleistet, dass wir keine zusätzlichen personellen Ressourcen für die Abwicklung des Verkehrsunfalles verschwenden müssen. Für uns bietet eine solche Zusammenarbeit somit nur Vorteile.

Herr Schnabel, wie geht es danach weiter?

In der Regel nimmt der Unfallgeschädigte direkt Kontakt mit uns auf, da er sich über seine Rechte umfassend informieren möchte. Nachdem wir dem Geschädigten die Grundzüge und die weitere Vorgehensweise samt rechtlicher Würdigung des Falles erläutert haben, beauftragt er uns mit seiner rechtlichen Interessenvertretung gegenüber der Versicherung und dem Unfallverursacher. Mein Team und ich kümmern uns im Anschluss um alles weitere. Das bedeutet im Einzelnen, dass wir den gesamten Schriftverkehr übernehmen, der zunächst mit einer umfassenden Schadenmeldung beginnt. Voraussetzung dieser Schadenmeldung ist nicht selten, dass der Geschädigte einen unabhängigen Sachverständigen mit der Bezifferung des entstandenen Schaden betraut. Anschließend können wir diesen dann auch geltend machen. Nicht selten wir die Versicherung daraufhin eine erste Abrechnung vornehmen, bei der bereits einzelne Schadenpositionen gekürzt wurden oder sie weigert sich unter fadenscheinigen Ausflüchten, für den Unfallschaden aufzukommen. Häufig wird dann auf eine qualifizierte Stellungnahme, bei der nicht selten auch eine Rücksprache mit der Werkstatt oder dem Sachverständigen notwendig ist, der gesamte Schaden bezahlt. Dennoch müssen auch wir in unserer täglichen Praxis feststellen, dass zur Durchsetzung des gesamten Anspruches ein gerichtlicher Prozess in Gang gesetzt werden muss. Bei alldem halten wir den Geschädigten immer auf dem aktuellen Stand und übersenden ihm jedes Schriftstück in Kopie. Hierdurch wird zweierlei sichergestellt. Zum einen findet hierdurch eine vollständige Entlastung des Geschädigten statt, indem wir die unangenehme Korrespondenz mit der Versicherung übernehmen. Zum anderen behält er in jedem Stadium die volle Kontrolle.

Herr Schnabel, auf welche Dauer muss sich der Unfallgeschädigte dabei einstellen?

Diese Frage kann nicht pauschal beantwortet werden, hier kommt es sicherlich immer auf die Umstände des Einzelfalles an. Angesichts der Rechtsprechung, die nach meinem Dafürhalten den Versicherungen zur Erforschung der tatsächlichen Gegebenheiten gerade im Zeitalter der wachsenden Digitalisierung zu viel Zeit zugesteht, sind uns manchmal zeitlich die Hände gebunden. Durch unsere internen Strukturen wollen wir jedoch sicherstellen, dass wir spätestens nach 4 Wochen klagebereit sind, wenn der Versicherer nicht innerhalb der Fristsetzungen reagiert. Sicherlich haben wir Dank der uns zur Verfügung stehenden technischen Möglichkeiten auch bereits innerhalb von 4 Tagen die Regulierung nahezu abschließen können, aber in anderen Konstellationen, gerade wenn mehrere Fahrzeuge in einen Unfall verwickelt sind, gestaltet sich die Regulierung schwierig. Wichtig ist für uns am Ende, dass der Geschädigte nicht auf einem Teil seines Schadens sitzen bleibt, wenn er unverschuldet in einen Verkehrsunfall verwickelt wurde.

Herr Kehl, worin sehen Sie die Vorteile für einen Kfz-Betrieb, im Rahmen der Unfallschadenabwicklung eng mit einem Rechtsanwalt zusammenzuarbeiten?

Unserem Kunden werden die Sorgen und der Aufwand abgenommen, sich mit der Versicherung auseinander zu setzen. Das Auto ist der Deutschen liebstes Kind. Dessen Beschädigung stellt viele unser Kunden vor enorme Herausforderungen. Der Kunde kommt mit seinem verunfallten Fahrzeug zu uns, wird sofern erforderlich für die Reparaturdauer mit einem Mietwagen mobil gehalten und erhält sein repariertes Fahrzeug zurück. Wir können dem Kunden darüber hinaus auch einen unabhängigen Sachverständigen an die Hand geben. Er muss sich somit letztendlich um nichts kümmern. Wir bieten dem Geschädigten quasi ein „Rundum-Sorglos-Paket“ an, welches er annehmen kann. Hierbei möchte ich betonen, dass unser Interesse stets der Kundenzufriedenheit und einem reibungslosen Ablauf dient. Die Mehrheit unser Kunden entscheidet sich für eine professionelle Abwicklung des Unfallschadens, da die Vorzüge klar auf der Hand liegen. Der Vorteil für uns als Reparaturbetriebe liegt darin, dass unsere Rechnungen deutlich schneller, aber zumindest sicherer gezahlt werden, wenn sich der Anwalt frühzeitig einschaltet.

Herr Schnabel, worin sehen Sie die Vorteile für einen Kfz-Betrieb, im Rahmen der Unfallschadenabwicklung eng mit einem Rechtsanwalt zusammenzuarbeiten?

Rechtsanwälte sorgen wie bereits eingangs erwähnt für die sogenannte Waffengleichheit. Der Geschädigte kennt weder Rechtsprechung zu der Erforderlichkeit und Erstattungsfähigkeit von Mietwagenkosten oder sogenannter UPE-Aufschläge, geschweige denn die Berechnungsmethoden des merkantilen Minderwertes, bestens bekannt als Wertminderung. Wir sorgen also dafür, dass die Versicherungen den entstandenen Schaden und alle Ansprüche des Geschädigten tatsächlich zahlen. Sofern die Versicherung, wie üblich Kürzungen vornimmt, schreiten wir ein und erheben falls erforderlich auch Klage. Wir haben aber die Erfahrung gemacht, dass Versicherungen schneller zahlen und weniger Kürzungen vornehmen, wenn ein Schriftsatz von einer Rechtsanwaltskanzlei eingeht. Gerade in den Fällen, in denen eine Haftungsquote gebildet werden muss, weil beispielsweise mehrere Fahrzeugführer den Unfall zu verantworten haben oder wenn ein im Ausland versichertes Fahrzeug beteiligt ist, sollte stets ein Rechtsanwaltes zur Schadenabwicklung eingeschaltet werden. Nur so kann sichergestellt werden, dass am Ende auch alle Schadenersatzansprüche realisiert werden können.

Herr Kratz, wie informieren Sie ihre Kunden über die zur Verfügung stehenden Möglichkeiten?

Wir haben den Unfallflyer und die Visitenkarten von Herrn Schnabel ausliegen, die wir dem Kunden anbieten. Jeder der mit einem Unfallschaden auf unseren Hof kommt, wird entweder von Herrn Kehl, unseren Serviceleitern oder mir persönlich betreut. Das ausliegende Werbematerial ist äußerst aussagekräftig. Der Kunde erhält in Kürze alle Fragen beantwortet. Nicht zuletzt durch das ausliegende Werbematerial entscheiden sich viele Geschädigte für einen Interessenvertretung durch einen Anwalt.

Herr Nau, welche Kosten entstehen dem Kfz-Betrieb durch eine Empfehlung und eine Kooperation mit Herrn Schnabel?

Es entstehen weder dem Kunden noch uns als Fachwerkstatt zusätzliche Kosten. Die Rechtsverfolgungskosten muss der Unfallverursacher bzw. dessen Haftpflichtversicherung tragen. Diese zahlen die Versicherungen nach meinem Kenntnisstand anstandslos. Kürzt die Versicherung die Reparaturrechnung, das Sachverständigenhonorar oder eine entstandene Wertminderung, handelt der Rechtsanwalt und leitet alles nötige in die Wege. Selbst für den Fall, dass der Kunde über eine Kaskoversicherung verfügt, kann die Beteiligung eines Rechtsanwaltes angesichts des Quotenvorrecht hilfreich sein. Für uns als Fachwerkstatt sehe ich sogar eine echte finanzielle Einsparung, da der Verwaltungsaufwand für uns deutlich geringer geworden ist und die Rechnungen schneller bezahlt werden.

Die Herren Kratz, Kehl und Nau, viele Versicherungen haben sogenannte Vertrauenswerkstätten. Ist das aus Ihrer Sicht die Zukunft oder vielleicht wenigstens eine Alternative?

Wir alle sind Unternehmer und davon mitnichten überzeugt. Die Anforderungen, die an eine Partnerwerkstatt der Versicherung gestellt werden – von niedrigeren Stundenverrechnungs-sätzen bis hin zum kostenlosen Hol- und Bringservice, Verzicht auf Teileaufschläge und so weiter – gehen zu unseren Lasten. Das kann sicherlich nicht die Zukunft sein. Wir gehen auch alle davon aus, dass das Lohnniveau in naher Zukunft, insbesondere angesichts des Fachkräftemangel steigen wird. Es ist somit an der Zeit, mehr und nicht weniger zu erwirtschaften. Wir können nur jedem der Kollegen empfehlen, statt mit den Versicherungen doch lieber mit einem Rechtsanwalt ihres Vertrauens zu kooperieren.

Wir sind uns auch einig, dass die Nachtteile die Vorteile für die Partnerwerkstatt durch die Bindung an die Versicherung überwiegen. Eine derart starke Bindung schafft auch immer eine Abhängigkeit. Wer garantiert der Partnerwerkstatt denn, dass nicht ein Konkurrent bessere Konditionen anbietet und man sich dann gegenseitig unterbieten muss? Außerdem haben wir auch erhebliche Zweifel, dass eine Werkstatt mit den von der Versicherung zugebilligten Konditionen ausreichend wirtschaften kann. Letztendlich muss jede Werkstatt für sich entscheiden, ob sie einen solchen Weg gehen möchte. Es mag sein, dass einige Werkstätten aus betriebswirtschaftlicher Sicht für sich einen Vorteil sehen, wenn sie Partnerwerkstatt einer Versicherung sind. Wir können betonen, dass wir für unsere Unternehmen keinen Vorteil sehen.

Herr Schnabel, welche Tipps haben Sie für den Geschädigten, aber auch für die Werkstätten oder Sachverständige, bei ungerechtfertigten Kürzungen?

Man sollte niemals jede Kürzung einfach hinnehmen, sondern sich vielmehr anwaltlicher Hilfe bedienen. Ich empfehle jedem Geschädigten von Anfang an die Einschaltung eines Rechtsanwalts. Mit der Beauftragung der Werkstatt sollte auch gleichzeitig der Rechtsanwalt eingeschaltet werden. Nur so wird die bereits mehrfach erwähnte Waffengleichheit sichergestellt. Die Kooperation bringt für die Werkstätten nur Vorteile. Zumal gerade in kleineren Werkstätten auch anderweitig ein hoher Beratungsbedarf vorhanden ist, der über eine solche Kooperation in der Regel abgedeckt werden kann. Die Vorteile einer Kooperation mit einem Rechtsanwalt liegen somit meines Erachtens klar auf der Hand.

Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben und mir Rede und Antwort gestanden haben.