Beringen der Jungstörche im Altrheingebiet Wachsender Brutbestand in Rheinland-Pfalz

Foto: Jannik Reinecker / Die Knipser

Bereits seit 2009 beringt nun Frau Ingrid Dorner, ehrenamtliches Mitglied bei Nabu, die Weißstörche in Rheindürkheim, Hamm und in Eich. In Zusammenarbeit mit dem EWR gelingt es auch im zehnten Jahr mit dem Hubsteiger in circa sieben Metern Höhe die Jungtiere zu kennzeichnen.

Nachdem der Weißstorch seit 1973 in Rheinland-Pfalz als ausgestorben galt, ist es umso erfreulicher zu hören, dass es seit der Aktion wieder rund 300 Brutpaare plus weitere „Single“-Störche in der Umgebung gibt.

Die schwarzen Ringe bestehen aus zwei Halbschalen die locker um das Bein des Zugvogels angebracht werden und sind lediglich durch einen Schnitt mit dem Seitenschneider zu entfernen. Jeder dieser Ringe hat Kennzeichnungen und individuelle Seriennummern um jeden Vogel einzeln bestimmen zu können. DER steht für Deutschland und Radolfzell, der unterstützenden Vogelwarte. Auch die Kontaktdaten sind auf der mehrmals aufgedruckten Markierung zu entnehmen. In diesem Jahr bekommen die Weißstörche die Ringe an das linke Bein angebracht. Wie Frau Dorner berichtet, wird jedes Jahr gewechselt. In ungeraden Jahren am linken Bein, in geraden Jahren am rechten Bein. Somit kann der Bestand einfacher überwacht werden.

Die circa fünf Wochen alten Jungstörche werden zunächst in eine Decke gepackt und vorsichtig mit einem Gehstock herbeigezogen. Da die Jungtiere sich aus Schutzmechanismen tot stellen, liegt die Schwierigkeit nicht darin, ein zappelndes Tier ruhig zu halten, sondern mit Feingefühl das Tier nah genug herbeizuziehen, ohne die feinen Gelenke des Babyvogels zu verletzen. Während des Beringens fliegen die Eltern eine kurze Runde um kurz danach eilig wieder auf den Masten anzukommen um auf ihre Jungen aufzupassen.

Da der diesjährige Frühling so wechselhaft war, bauten die Störche die Nester höher um ihre Jungen vor dem starken Regeneinfall zu schützen. Auf der anderen Seite waren die Tage so trocken, dass es wenig Nahrung gab. Dadurch ist ihr Wachstum zurückgeblieben, haben sogar noch Daunen statt Federn mit denen sie nicht fliegen üben können. Die Klimaveränderungen sind auch hier nicht zu übersehen.

Nicht nur die Natur macht es den Weißstörchen schwer. Im letzten Jahr fand man zwei der angesiedelten Tiere tot auf. Sie hatten sich auf einer Mülldeponie im Umkreis Nahrung gesucht und haben sich dabei an einem Schaschlik Spieß und Plastikverpackungen zu stark verletzt. Durch die angebrachten Markierungen konnte so auch ein weiterer tot aufgefundene Storch in Afrika gefunden werden. Man wurde kontaktiert, der Storch sei auf eine Stromleitung geflogen.

Aber wir hören an diesem sonnigen Freitagmorgen nicht nur unschöne Wahrheiten. So erzählt Frau Dorner warum nur ein Mast der zwei sehr nahegelegenen bewohnt ist. Ein protziger männlicher Storch markiert sein Revier. So hat er nicht nur ein Hauptnest, sondern auch ein zweites. Nur für den Notfall.

Sobald die jungen Weißstörche bereit sind zu fliegen, beginnt die Reise ins warme Afrika zwischen August und September. Dabei legen sie eine Strecke von bis zu 10.000 Kilometern zurück. Wenn die Jungtiere wieder Ende März nächsten Jahres nach Deutschland kommen, werden wir sie an ihren neuen eigenen Horsten sehen können – vielleicht auch schon bald mit dem eigenen Nachwuchs.

Text: Laura Renkel/ Presseagentur Die Knipser