Ein Bürgermeister mit Bodenhaftung für 2019

Foto: Mirco Metzler/ Die Knipser

In aller Munde war die Stadt Oppenheim in den vergangenen beiden Jahren. So weit nicht weiter ungewöhnlich. Nur handelte es sich in der jüngsten Zeit eben nicht um die allseits beliebten Erzeugnisse aus mitunter den malerischsten Weinlagen Rheinhessens, sondern vielmehr um die leidige, kommunale Politik mit all ihren Verfehlungen rund um den geschassten sozialdemokratischen Bürgermeister Marcus Held. Kein Wunder also, dass der Neujahrsempfang in 2019 im Zeichen der Wiedergutmachung und der Wiederannäherung steht.

„Die Überprüfung aller Verträge des Amtsvorgängers“ stehe auf dem Programm. Die Aufräumarbeiten dauern noch an. „Innenentwicklung vor Außenentwicklung“, so das Mantra von Walter Jertz, der die Amtsgeschäfte im Juni des letzten Jahres mutig übernommen hatte, als die Reihen sich schon zu lichten begannen. Einige politische Funktionsträger der Stadt suchten eilig das Weite als das Wort Verantwortung seinen Kern offenbarte und nicht weiter eine bloße Hülse blieb. Auch an die möchte der neue Bürgermeister, der neben seiner Parteilosigkeit auch auf Nadelstreifenanzüge verzichtet, noch ein paar Worte richten. „Auch wenn ich noch ein Neuling bin in der Kommunalpolitik, habe ich schon gelernt, dass es auf kommunaler Ebene keinen Fraktionszwang gibt“, nimmt er denjenigen den Wind aus den Segeln, die eine vermeintliche politische Zwickmühle als Rechtfertigung für ihr zweifelhaftes Wirken anbringen. Seinen Dank richtet er an alle Bürger, insbesondere die Ehrenamtlichen in der Stadt, an die Verwaltung und an die noch amtierenden Ratsmitglieder.

Die Sekt oder Selters Politik gehört vorerst wohl der Vergangenheit an, so eine erste vorsichtige Vermutung. Dennoch dem Anlass angemessen fällt die Getränkeauswahl zwischen Mineralwasser und dem berühmten Oppenheimer Wein, während die Vorträge aus dem historischen Ratssaal auf Bildschirmen in die übrigen Räume übertragen werden. Als „den bürgerfreundlichen Spagat zwischen so feierlich wie nötig und so zwanglos wie möglich“, kündigte Walter Jertz die Veranstaltung im Vorfeld an. Die neue Rationalität steht dem Amt gut an und ist ein erfrischender Gegensatz zu den goldenen Kerzenhaltern und ornamentierten Wänden im prunkvollen Saal.

Auch die FWG möchte die Gelegenheit nutzen um aufeinander zuzugehen. Auf dem Oppenheimer Weihnachtsmarkt stellten die Freien Wähler einen Baum auf, mit der Bitte an die Bürger, ihre Wünsche an die Stadt niederzuschreiben und an einen der Zweige zu hängen. „Mehr Parkplätze für Mutter und Kind in der Innenstadt“, „Mehr Leben in der Altstadt“ und besonders vielsagend „Frieden in der Gemeinschaft“, nutzten viele Bürger die Möglichkeit. Die FWG übergibt diese und viele weitere Wünsche an einem goldenen Baum an den Bürgermeister in der Absicht, bestmöglich zu deren Erfüllung beizutragen. Eine Geste, die gleichermaßen Frieden stiftet und verpflichtet.

„Durch die inflationäre Vergabe sind die Ehrenpreise zuletzt etwas im Wert gesunken“, so Walter Jertz. Künftig sollen die Ehrungen wieder weniger hoch frequentiert erfolgen. „Es gibt noch viele mehr, die diese Auszeichnungen verdient haben“, weiß er sehr wohl und dennoch werden an diesem Tag insgesamt nur zwei an der Zahl vergeben. Für seinen Verdienst um das Oppenheimer „Paradies“ erhält Dr. Volkhart Rudert das Siegel der Stadt. Auf Basis der Bürgerforen etablierte er seine Ideen für einen naturnahen Spielraum für Kinder, trug mit einem selbst gestalteten Kalender zur Finanzierung bei und legte auch tatkräftig mit Hand an. „Dafür hat er sogar einen Kettensägenlehrgang belegt. Wir hoffen, dass er jetzt, da die Arbeiten abgeschlossen sind, nicht maskiert durch die Vorgärten läuft“, kommentiert Walter Jertz gekonnt scherzhaft. Den wahren Lohn bringt naturgemäß erst der Frühling, wenn die Arbeit aufzublühen beginnt.

Den Ehrenring der Stadt erhält Dr. Marco Becker, der sein Engagement einst bei der Jungen Union begann, später über vier Wahlperioden dem Stadtrat angehörte und zuletzt die Fraktion anführte. Er wird 2019 nicht mehr antreten, möchte aber noch ein paar Worte mit auf den Weg geben. Er erinnert an seinen Mandatsantritt im Jahr 2003. „Auch damals gab es schon große Gräben in der Stadt.“ Diese habe man gemeinsam wieder zugeschüttet. Nun habe Marcus Held erneut einen Scherbenhaufen hinterlassen, der allerdings „in den letzten beiden Jahren einen falschen Eindruck von der Politik in Oppenheim vermittelt hat“, so der verdiente Bürger. Er gelobt feierlich „immer ein echter Oppenheimer zu bleiben, immer Oppenheimer Wein zu trinken und immer ein wenig verächtlich auf Nierstein zu schauen!“, hörbar zur Unterhaltung der Anwesenden.

Die politische Großwetterlage in der Stadt ist beinahe traditionell wechselhaft. Schon vor über tausend Jahren war Oppenheim Schauplatz im Investiturstreit. Im Dreißigjährigen Krieg fiel die prestigeträchtige Rheinstadt nacheinander an die Spanier und an den Schwedenkönig. Infolge der Revolution im Nachbarland wurde Oppenheim später von französischen Truppen besetzt. Nun sind die Rheinhessen ein genussfreudiges Volk und da machen auch die Oppenheimer keine Ausnahme. Sie lassen sich das Gläschen von der Politik nicht trüben. Dafür hat die Stadt zu viel anzubieten, natürlich, kulturell und nicht zuletzt kulinarisch.

Text: Dennis Maus/ Presseagentur Die Knipser

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