„Immobilien schenken oder vererben?“ Notar gibt Tipps bei Haus & Grund Infoveranstaltung / „Jeder vierte Erbfall endet im Streit“ / Wegen hohem Andrang sogar Stehplätze knapp

Der Osthofener Notar, Dr. Peter Liessem (vorn), gibt den gut 140 Gästen Tipps und beantwortet zwei Stunden lang Fragen. Foto: Jens Kowalski

Erbschaften haben in Deutschland Hochkonjunktur. Jeder dritte Deutsche hat schon etwas geerbt. Doch jeder vierte Erbfall endet laut einer Emnid-Umfrage im Streit. Kein Wunder, dass das Thema: „Immobilien schenken oder vererben?“, zu dem dieEigentümer-Schutzgemeinschaft Haus&Grund Worms-Alzey e.V. eingeladen hat, auf außergewöhnlich großes Interesse gestoßen war. Selbst der langjährige Vorsitzende, Rechtsanwalt Hans-Joachim Lock, war überrascht: Gut 140 Interessierte waren der öffentlichen Einladung ins Voba-Info-Center nach Osthofen gefolgt, wohin Haus & Grund eingeladen hatte. Selbst die Stehplätze wurden knapp; die Gäste standen in mehreren Reihen bis in den Vorraum. Drinnen gab der Osthofener Notar, Dr. Peter Liessem, Tipps und beantwortete zwei Stunden lang Fragen. Auch komplexe Themen wie Erb- und Pflichtteilsanrechnung, steuerliche Aspekte oder was es mit dem „Vorbehalt von Rechten zu Gunsten des Schenkers“ auf sich hat, konnte der Experte an Fallbeispielen für Laien anschaulich darstellen.

Das Grundproblem? Das lässt sich so zusammenfassen: Ohne Testament oder andere klare Regelung tritt die gesetzliche Erbfolge ein, die nicht immer sinnvoll ist. Vielfach entstehen dadurch Erbengemeinschaften, was zu bösem Blut unter den Familienangehörigen führen kann. Im Zank von Brüdern und Schwestern ums elterliche Haus, die elterliche Wohnung oder das elterliche Feriendomizil werden mitunter Register gezogen, die so manchen Rosenkrieg wie ein sanftes Scharmützel erscheinen lassen.

Dr. Liessem zeigte, wie sich dem vorbeugen lässt. Eine gute Möglichkeit kann demnach eine Schenkung darstellen. Weil so unter bestimmten Bedingungen hohe Freibeträge genutzt werden können, lässt sich zudem viel Geld sparen. Doch Vorsicht: „Schenkungen müssen gut durchdacht erfolgen“, warnte der Fachmann eindringlich („Fort ist fort“) und machte an weiteren Fallbeispielen deutlich: Unbedachte Schenkungen können den Erbstreit sogar noch befeuern. Im Prinzip kommt man an einer Fachberatung nicht vorbei. „Wichtig ist, dass Sie wissen: Es gibt Gestaltungsspielräume“, sagte Liessem. Und Lock fasste zusammen: „Es geht immer auch um die Frage: Was halten Sie für gerecht?“. Und diese Frage führe zu ganz unterschiedlichen Antworten, je nachdem, ob man den Schwerpunkt beispielsweise aufs Sparen von Steuern lege, oder darauf, das Erbe nach bestimmten Kriterien aufzuteilen. Entscheidend sei außerdem: „Was man persönlich für gerecht hält, das kann sich im Laufe des Lebens ändern“. Es sei daher ratsam, die getroffene Entscheidung ab und an zu überprüfen.

Um Fehler zu vermeiden, die häufig passierten, empfahl Liessem unter anderem, zunächst den objektiven Wert der Immobilie feststellen zu lassen und dann gegebenenfalls vertraglich Höhe, Art und Fälligkeit eines Ausgleichs an Geschwister festzulegen (eventuell auch in Raten). Eine Wertsicherung der Zahlungsforderung sei durch eine Indexklausel möglich. Viele weitere Aspekte berücksichtigte Liessem in seinen Ausführungen, bis hin zu Auswirkungen auf gesetzliche Unterhaltsansprüche im Pflegefall.

Wegen des großen Zuspruches dieser Veranstaltung ist in 2019 eine weitere geplant. Ein informatives Handout ist per Email für Interessierte gerne über die beiden Geschäftsstellen erhältlich (in Worms Wilhelm-Leuschner-Straße 13, Telefon 06241/413591 und in Alzey im Büro der Volksbank, Hospitalstraße 15, Telefon 06731/4936113).

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