Meilenstein für die Familienstadt Osthofen „Ein familienfreundlicher Betrieb hat zufriedene und treue Mitarbeiter“

Foto: Mirco Metzler/ Die Knipser

Während sich das traditionelle Ernährermodell zunehmend auflöst, konzentriert sich die Einkommensverantwortung innerhalb der Familien nicht länger nur auf den Mann, vielmehr drängen mehr und mehr Mütter auf den Arbeitsmarkt. Es sei dahingestellt, ob es die finanzielle Situation der Familie erfordert oder das Selbstverständnis der modernen Frau einklagt, die Müttererwerbstätigkeit hat sich in den zurückliegenden Jahren spürbar erhöht und damit die Akzeptanz für erziehende Hausmänner, tüchtige Karrierefrauen und weitere Variationen des Rollentauschs und der Rollenteilung erheblich gesteigert. Diese rasende Dynamik innerhalb vieler deutscher Familien zwingt auch die übrigen Akteure in der Gesellschaft zur Bewegung, allen voran Politik und Wirtschaft, die fortan gefragt sind, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu gewährleisten.

„Ich glaube fest daran, dass das gelingen kann wenn die passenden Leute zusammen sind und sich engagieren möchten“, urteilt Thomas Goller als Bürgermeister der Stadt Osthofen eingangs optimistisch und darf sich angesichts der Anwesenheitsliste bestätigt fühlen. Repräsentanten der Kindertagesstätten, der Seebachschule und verschiedene Elternbeiräte bezeugen das Interesse der Erziehungs- und Bildungsinstitutionen. Auch der Stadtrat beteiligt sich und zeigt Präsenz seitens der Politik. Mit dem Stadtjugendring und der TGO, die abseits der sportlichen Ertüchtigung vor Allem für ihr soziales Engagement bekannt sind, sind außerdem auch erfahrene Vereinbarmacher erschienen. Gemeinsam rufen sie das Lokale Bündnis für Familien in Osthofen ins Leben, das künftig ein zusätzlicher Katalysator für die Herstellung geeigneter Rahmenbedingungen sein soll, wie die Vertreterin der Elterninitiative Dr. Pia Müller als Gastgeberin des Abends verrät.

Dass derlei Bemühungen sich für die Unternehmen sehr wohl auszahlen, kann Katharina Kirschbaum vom Netzwerkbüro „Erfolgsfaktor Familie“, die aus Berlin angereist war, mit Zahlen belegen und bietet der Wirtschaft rationale Argumente für eine Novellierung der althergebrachten Arbeitsplatz- und Arbeitszeitgestaltung. „Ein familienfreundlicher Betrieb hat zufriedene und treue Mitarbeiter und kann damit seine Produktivität nachhaltig erhöhen“, legt sie eindrücklich dar. Außerdem verringerten sich die Abwesenheitszeiten, insbesondere die krankheitsbedingten Fehltage. In Zeiten des Fachkräftemangels empfiehlt sich die soziale Profilierung der Unternehmen zudem als modernes Werkzeug zur Personalgewinnung, wie Kirschbaum weiß: „80% der Beschäftigten empfehlen ihren familienfreundlichen Arbeitgeber weiter.“

Benedikt Eikmanns von der Servicestelle Lokale Bündnisse für Familie nennt einige gelungene Beispiele dieses Modells in Deutschland, die gesellschaftlichen Problemstellungen vor Ort erfolgreich entgegenwirken konnten. Ein Lokalmatador und Vorreiter für das Projekt in Osthofen ist das Lokale Bündnis in Dienheim. Dessen Vertreter Hartmut Bräumer grüßt nachbarschaftlich, liegt die Gemeinde doch nur circa 15 Kilometer entfernt. Der Kontakt nach Osthofen besteht schon seit Anbeginn, als deren früherer Bürgermeister Klaus Hagemann dem Projekt in seinem Amt als Bundestagesabgeordneter Aufmerksamkeit auf nationaler Ebene verschaffte. Auch international konnte man mit dem ganzjährigen Ganztagsbetreuungsangebot begeistern, wohlgemerkt auch an jedem Ferien- und Brückentag sowie bei anderweitigen Schulausfällen. Dank flächendeckender Netzwerkarbeit konnte man viele Hilfsbeziehungen in der Umgebung knüpfen. Davon profitieren dann beide Seiten, wenn die kooperierende Schule kurzzeitig einen zusätzlichen Betreuer erhält oder ein mitwirkender Verein unter den Betreuten neue Mitglieder gewinnen kann.

Auch in Osthofen wurde bereits früh wertvolle Pionierarbeit geleistet. Das kleine Büchlein mit dem umfassenden Ferienangebot des Stadtjugendrings dürfte den meisten Bürgern ein Begriff sein. Was nicht jeder weiß: Die Anfänge dieses fest etablierten Unterhaltungs- und Betreuungsangebots für Kinder entlang der saisonal schulfreien Zeiten gehen schon ins Jahr 1978 zurück, berichtet Peter Martens stolz. Mit der Turngemeinde Osthofen steht ein starker Partner an seiner Seite. Als berufstätige Mutter sah sich Gabriele Naumann, inzwischen 1. Vorsitzende des Vereins, vor einigen Jahren selbst mit der Herausforderung Vereinbarkeit konfrontiert und ergriff die Initiative. Sie erkannte das Potenzial hinter der Infrastruktur und der Schaffenskraft eines der mitgliederstärksten Vereine vor Ort und so leistet die TGO heute einen gewichtigen Beitrag zu einem familienfreundlichen Klima in der Osthofener Gesellschaft.

Die beiden Initiatorinnen des Abends Dr. Pia Müller und Susanne Tenhaf gründeten unlängst die „Elterninitiative Osthofen“ und betonen abschließend den Zusammenhang zwischen Altersarmut und der Vereinbarkeit. Wer keine ganztäglichen Betreuungsmöglichkeiten für seine Kinder vorfindet, hat keinen unbeschränkten Zugang mehr zum Arbeitsmarkt. In einer Lohnarbeitsgesellschaft sind es dann häufig die Sorgearbeit leistenden Elternteile, die von der Altersvorsorge abgeschnitten sind. Frauen, die 2016 in Rente gingen, lebten überwiegend im alten Ernährermodell und erhalten durchschnittlich eine Rente von etwas über 600 Euro. Damit liegen sie deutlich unter der Armutsgrenze von 1000 Euro. Auch diesem Problem möchte man sich mit der Netzwerkarbeit in Zukunft entgegenstellen. Schlussendlich kommen die verschiedenen Akteure zusammen um gemeinsam das Gründungspapier zu unterzeichnen und rufen feierlich das Lokale Bündnis für Familien in Osthofen aus.

Text: Dennis Maus/ Presseagentur Die Knipser

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