Milch mit Honig? – Na klar! (Der Inhalt des nachfolgenden Textes beruht auf wahren Begebenheiten! Achtung! Ironie enthalten!)

Bei Schlafstörungen kann einiges helfen. Unser Redakteur, Bjarne Dimmler, hatte eine solche Nacht und probierte mehrere Tipps aus, ehe warme Milch mit Honig die Schlaflosigkeit besiegte.

Einmal ging ich, soweit so normal, um 22 Uhr ins Bett. Dort schaute ich, weil ich wusste, sie würde mich zum Einschlafen bringen eine ZDF-Doku zum Thema Wikinger. Bereits zum dritten Mal in wenigen Tagen wendete ich die Methode an, um meine Probleme zu überwinden. Und tatsächlich wachte ich erst wieder auf, als die Dokumentation fast 40 Minuten vorbei war, machte das Licht aus und versuchte zu schlafen.

Dies versuchte ich in allen möglichen Positionen. Mal auf dem Rücken, mal drehte ich mich auf den Bauch, dann versuchte ich es seitlich und dann probierte ich das Ganze wieder von vorn. Ich versuchte also mit dem festen Willen jetzt einzuschlafen, einzuschlafen. Natürlich klappte das nicht, da es besser ist, sich zu entspannen und nicht ans Einschlummern zu denken. Ich versuchte also an nichts zu denken. Um 01.45 Uhr reichte es mir dann allerdings mit der Schlaflosigkeit. Schließlich musste ich ja am nächsten Morgen wieder raus zu Arbeit.

Schäfchen zählen brachte nichts. Schlaftabletten kamen nicht infrage.

Um einer Lösung des Problems auf den Grund zu gehen, nahm ich mein Handy zur Hand, mit dem ich und googelte, was ich gegen Einschlafstörungen tun kann. Auf „gutefrage.net“ stieß ich dann auf die ersten Antworten, die vor sieben Jahren einem ratlosen Menschen gegeben wurden, der damals in einer ähnlichen Situation gewesen sein muss. Ein Lösungsvorschlag war es, das Fenster kurz aufzumachen, sich eine warme Milch mit Honig zu machen, diese zu trinken und sich nach dem Schließen des Fensters wieder hinzulegen. „Milch mit Honig“, dachte ich mir, „könnte klappen, aber ist das nicht irgendwie kindisch lächerlich?“ Ich musste an den Bären im großen blauen Haus denken, den einige vielleicht noch aus ihrer Kindheit kennen. Ein anderer Kollege riet dazu, sich sehr beruhigende Videos anzuschauen. Hatte ich allerdings schon relativ erfolglos gemacht.

Auf Facebook suchte ich weiter nach einer Lösung. Beim ersten Eintrag, der zu finden war, handelte es sich um Spruch-Bilder, die wohl witzig rüberkommen sollen, aber keinen großen Lachanfall bei mir auslösen, wenn ich gerade nachts um 2 Uhr selbst nicht schlafen kann und um 8 Uhr aufstehen soll. Einer der „Witze“: „Ich habe gehört, dass jemand an mich denkt, wenn ich nicht schlafen kann. Hört auf an mich zu denken!“ Drumherum waren weitere Bilder mit ähnlich „lustigen“ Sprüchen zu finden.

Weiter unten war ein Bericht zu finden, in dem sich eine vierjährige US-Amerikanerin selbst getötet habe, weil sie nicht schlafen konnte, als sie bei Oma und Opa zu Besuch war. Statt Großmutter um Hilfe zu bitten, fand sie unter ihrem Kissen eine geladene Waffe, mit der sie ihre Großeltern auf tragische Weise aufweckte. Übrigens beruhigt solch eine Gute-Nacht-Geschichte nicht im Ansatz!

Während mir das durch den Kopf ging, suchte ich weiter und traf weiter unten auf eine Facebook-Gruppe in der sich Menschen mit Schlafstörungen versammelten. Dort war ein Link zu finden der auf eine Webseite verwies, auf der ein Trick beschrieben wird, mit dem selbst stahlharte Soldaten der US Army innerhalb weniger Minuten schlafen sollen. Der Trick ist, die komplette Körpermuskulatur nach und nach zu entspannen. Zu guter Letzt soll versucht werden, 10 Sekunden an nichts zu denken und langsamer zu atmen. Das probierte ich aus. Zehn Minuten lang strengte ich mich an, mich zu entspannen. Ein Widerspruch in sich. Ich stellte fest, dass ich härter sein muss, als ein amerikanischer Kriegssoldat. – „Na toll.“

Ich holte mein Handy wieder her und checkte meine Mails – vielleicht hatte mir ja jemand geschrieben im Laufe des vergangenen Tages. Tatsächlich fand ich eine E-Mail, die mich für zirka 45 Minuten beschäftigen sollte. Immerhin gab es auch etwas zu gewinnen. Es war die Fortsetzung einer Umfrage meinem künftigen Berufs- und Lebensweg, die ich bereits ein Jahr vorher ausgefüllt hatte, als ich noch zur höheren Berufsfachschule ging. Die Fragen drehten sich nun um meine Tätigkeiten nach der schulischen Ausbildung. Was sind meine Ziele? Möchte ich studieren oder eine Lehre beginnen? Zum Schluss wünschten mir die Umfrageersteller alles Gute für die Zukunft. In etwa zwei Jahren sei die nächste Umfrage fällig. Da melden sie sich wieder. – „Yippie!“

3 Uhr war bereits durch, als ich mit der Hoffnung, die Umfrage hätte mich müde genug gemacht, versuchte, endlich einzuschlafen. Das Rauschen des Windes, der Lärm der Züge und das helle Straßenlaternenlicht störten. Es störte so extrem, dass ich nach wenigen Minuten wieder zum Smartphone griff.

Diesmal dachte ich mir: „Wenn du schon nicht schlafen kannst, mach wenigstens was sinnvolles.“ Noch motiviert von der Umfrage, fing ich an, mich über ein Vollzeitstudium an der Hochschule Worms zu informieren. Vielleicht war es ja der Stress, der aus der ungewissen Zukunft resultierte, der mir eine schlaflose Nacht bescherte. Die Ungewissheit quält mich seit Wochen!

Der Studiengang „International Business Administration and Foreign Trade“ interessierte mich so sehr, dass ich bis um halb fünf am Handy hing um Infos zu lesen. Ich wusste mittlerweile, dass ich das machen möchte und versuchte beruhigt einzuschlafen.

Die folgenden zehn Minuten brachten nichts, sodass ich mich tatsächlich dazu durchrang den Tipp vom Anfang mit der warmen Honigmilch auszuprobieren, den ich für mich selbst als „kindisch lächerlich“ abgestempelt hatte, als ich ihn bei „gutefrage.net“ gelesen hatte. Ich machte also morgens um kurz vor fünf endlich den Rollladen soweit zu, dass das Laternenlicht nur noch durch die Löcher strahlen konnte. Anschließend kippte ich das Fenster und begab mich ein Stockwerk tiefer in die Küche, wo mich eine von drei Miezekatzen bereits freudeschnurrend erwartete und mir zwischen den Beinen herumlief.

Dort füllte ich meine Tasse zunächst mit Milch und drückte dann eine ordentliche Ladung Flüssighonig hinein. Mit dem Gedanken „das klappt niemals“ stellte ich den Becher für zwei Minuten in die Mikrowelle. Während ich auf die Milch wartete, bekam die Katze endlich ihre Streicheleinheit.

Kurze Zeit später fand ich mich in meinem Zimmer wieder.

Mittlerweile fühlte ich mich, wie der Bär im großen blauen Haus, der sich damals immer mit einer warmen Honigmilch von den Zuschauern verabschiedete.

Die Bergkirche war bereits fünfmal zu hören, bevor die Tasse auf den Nachttisch gestellt, die Decke zu Recht gerückt, das Fenster geschlossen und auch das Licht im Zimmer wieder aus war. Im Anschluss trank ich langsam die Honigmilch aus.

Das nächste, an das ich mich erinnern kann, ist mein Wecker, der mich um 08.15 Uhr mit „Eye of the Tiger“ weckte. In voller Lautstärke! – Was eigentlich die beste Musik zum Aufstehen ist, war an diesem Morgen nach drei Stunden Schlaf keine Motivation. Nach weniger als zehn Sekunden war der Wecker wieder aus, sodass ich erst um 09.30 Uhr wieder aufwachte.

Nach fünf Stunden voller Schlaflosigkeit und Ablenkung hatte tatsächlich der Tipp vom Anfang geholfen, wenigstens viereinhalb Stunden Schlaf zu erhaschen. Diese Nacht bereitet mir heute noch Kopfschütteln. Wer hätte schon ahnen können, dass Honig und Milch die Lösung des Schlafproblems war?

Text: Bjarne Dimmler/ Presseagentur Die Knipser

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