Ministerpräsidentin Malu Dreyer lobt den „Pflegestützpunkt“ „Sie tut mir doch auch gut“

Ganz in Rot: Ministerpräsidentin Malu Dreyer in Begleitung von Landtagsabgeordneten Kathrin Anklam-Trapp (2. von rechts), Landrat Ernst Walter Görisch und Bürgermeister Thomas Goller (links) bei ihrem Besuch in Osthofen. Fotos: Jannik Reinecke /Die Knipser

Erst am Montag, den 27. August, war der Landesminister des Innern Roger Lewentz in Osthofen erschienen und nur drei Tage später gibt sich ein weiteres Mitglied der Landesregierung die Ehre. Ganz in Rot kommt die Ministerpräsidentin Malu Dreyer am Marktplatz an, um mit dem „Pflegestützpunkt“ eines ihrer persönlichen Steckenpferde zu begutachten. Dort können Senioren und Angehörige nützliche Informationen und Orientierung zu den Fragen des Alters finden.

Mit einem Lächeln begrüßt sie die Verantwortlichen der Pflegeberatung als eine ihrer „liebsten Berufsgruppen“. Und das nicht erst seit die vielbesprochene Schieflage auch das Lieblingsthema im öffentlichen Diskurs ist. Malu Dreyer gibt eine Einschätzung zum aktuellen Pflegenotstand und wie es dabei um unser Bundesland bestellt ist. „Wir haben das Glück, dass in Rheinland-Pfalz bereits mit viel Vorlauf begonnen wurde“, so die Ministerpräsidentin. Das flächendeckende Beratungsangebot durch die Pflegestützpunkte bietet den Bürgern hier einen wertvollen Service, der andernorts in Deutschland dringend vermisst wird. Mit dem aktuellen Personalschlüssel in der Pflege müsse man sich vor anderen Bundesländern zudem nicht verstecken, gleichwohl müsse hier noch viel getan werden. Diese Worte klingen bescheidener an, als sie müssten. Schließlich war es Dreyer selbst, damals noch in ihrer Funktion als Sozialministerin, die den Bedarf frühzeitig erkannt hatte und schon im Jahr 2008 die Errichtung der „Pflegestützpunkte“ in Mainz präsentierte. Bürgermeister Thomas Goller nutzt die Gelegenheit, um im Namen der Stadt für die großzügige Unterstützung durch das Land in den vergangenen Jahren zu danken. Dann darf die stellvertretende Vorsitzende der SPD zur großen Freude der verantwortlichen Damen Irena Markheim und Katharina Wegener den neuen Aufzug als barrierefreien Zugang zum Pflegestützpunkt einweihen.

Im Anschluss stellt sich die zuständige Gemeindeschwester Plus Sabine Scriba am Podium den Fragen der Reporter. Die examinierte Krankenschwester profitiert enorm von ihrer Fachausbildung. „Der geschulte Rundumblick der Krankenschwester wird dringend gebraucht“, klärt sie auf. Oft seien kleine Hinweise wie ungeordnete Medikamente oder innere Aufregung schon Anzeichen, dass etwas nicht in Ordnung sei. Doch auch der professionelle Hintergrund schützt nicht vor neuen Erfahrungen. Immer wieder ist Frau Scriba überrascht, wie schnell die zwingend notwendige Vertrauensbasis entsteht. Eine der Seniorinnen berichtete Frau Scriba einmal von den Grauen des Krieges, die sie in jungen Jahren durchleben musste und fügte an, ihr ganzes Leben lang habe sie die Geschichte niemandem erzählt und auch ihrem Sohn konnte sie sich nicht anvertrauen. In diesem Moment wird bewusst, wie wichtig die Arbeit in der Pflege wirklich ist und die Gemeindeschwester hat das beste Beispiel direkt mitgebracht.

Der 85-jährige Herr Naumann aus Hamm arbeitet seit knapp zwei Jahren mit Sabine Scriba zusammen und die Beiden geben ein gutes Team ab. Der Kontakt kam damals über einen Flyer zum Pflegestützpunkt zustande, den der Rentner in seinem Briefkasten fand. Damals war er noch kein Witwer und seine Frau bereits auf Pflege angewiesen. Schnell fühlte er sich angesprochen und ergriff die Initiative. Als der Trauerfall dann eintrat, war er nicht ganz auf sich alleine gestellt und fand Orientierung in der Beratung. Inzwischen ist er Mitglied in der von Frau Scriba initiierten Bewegungsgruppe. Sie hebt den besonderen Stellenwert dieser prophylaktischen Angebote hervor. Wer rastet, der rostet schließlich und es gibt noch weitere Möglichkeiten zur Prophylaxe, etwa zur Sturzproblematik oder zur Gefahr durch Dehydration. Insgesamt sei das Ziel, den Senioren einen längeren Aufenthalt im Zuhause zu bewahren. Und auch hier haben die Beiden gemeinsame Erfahrungen gesammelt. Herr Naumann war nach dem schmerzhaften Verlust seiner Ehegattin zunächst für einige Zeit in einer stationären Pflegeeinrichtung untergebracht, schaffte es aber nicht zuletzt wegen der tatkräftigen Unterstützung durch Frau Scriba wieder heimzukehren. Die Fachkraft betont die Wechselseitigkeit der Beziehung: „Die Erfahrung aus einem ganzen Leben verschwindet nicht eben nur weil man plötzlich alt ist und vielleicht etwas gebrechlich. Die bleibt da!“ und der 85-Jährige bestätigt humorvoll: „Sie tut mir doch auch gut!“

Der “Pflegestützpunkt” vereint das Herzblut Vieler. Da ist die Ministerpräsidentin, die sehr weitsichtig vor mehr als zehn Jahren schon die Errichtung anregte, Frau Scriba, die als Gemeindeschwester Plus hauptamtlich tätig ist, sowie die Damen Markheim und Wegener als Ratgeber vor Ort und die ehrenamtlichen „Wichtel“ überall in Osthofen, die den Senioren beim Einkauf oder auch mal beim Anschluss des Anrufbeantworters zur Hand gehen. Thomas Goller freut sich, die Gemeinde rücke enger zusammen und hofft, das Engagement wirke ansteckend auf weitere Bürgerinnen und Bürger. Die Einrichtung zur Pflegeberatung ergänzt das neu errichtete Therapiezentrum am Bahnhof zu einem umfangreichen Gesundheitsangebot in Osthofen. Für Malu Dreyer steht fest, der „Pflegestützpunkt“ hat sich bewährt. Die Landesmutter möchte sich weiter bemühen, das Konzept zu etablieren und auf Bundesebene einzubringen.

Text: Dennis Maus/ Presseagentur Die Knipser

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