Weinmeile, Glück im Sturm und Drangsal Verkehrsbeiträge

Foto: Michael Amrein /Die Knipser

Direkt eingangs der Sitzung des Haupt- und Finanzausschuss der Stadt Osthofen widmen sich die Ratsmitglieder einem Thema, das in der Bevölkerung für rege Diskussionen sorgte. Die Berechnung für die wiederkehrenden Beiträge im Rahmen des Straßenausbaubeitragsrechts ist für den westlichen Teil der Stadt nun abgeschlossen. Die Kalkulation ergibt einen Beitrag von 17,5 ct/qm². „Sind Sie Eigentümer eines Grundstücks von 500 qm², bedeutet das also eine Beitragspflicht von 87,50 €“, erläutert der sozialdemokratische Bürgermeister Thomas Goller. Für dieses Jahr sei der Stichtag einmalig der 1. Dezember. Die Stadtverwaltung empfehle jedoch, ab dem nächsten Jahr vier Fälligkeitstermine anzubieten und mit etwaigen Anträgen auf Stundung großzügig zu verfahren. Die Fraktionen regen zusätzlich an, die Fälligkeitstermine an die Grundsteuer zu koppeln, sodass die Bürger eine überschaubare Anzahl an Zahlungsterminen behalten. Der Beschluss wird abgesehen von einer Enthaltung einstimmig gefasst. Im Stadtrat freut man sich wie erwartet unter der Marke von 20 ct/qm² zu bleiben. Damit wird die Gerüchteküche wohl erst einmal kaltgestellt werden. Wie Bürgermeister Goller abschließend betont, kam eine Qualitätsanalyse des Straßenbildes zu einem schwachen Ergebnis und es wurde angeraten, permanent Arbeiten durchzuführen um diesen Zustand zu verbessern. Die Beiträge werden also dringend benötigt.

Foto: Jannik Reinecke /Die Knipser

Im Anschluss an den Abriss zweier Gebäude in der Osthofener Altstadt war an selbiger Stelle die Errichtung eines öffentlichen Parkplatzes geplant. Dieses Vorhaben muss zunächst hintangestellt werden. Durch die Abrissarbeiten wurde die Mauer eines angrenzenden Grundstücks freigelegt. Diese ankerte wohl nicht so tief wie anfangs vermutet und so besteht Absackungsgefahr für die benachbarte Gartenanlage. Zudem muss unbedingt das Höhenniveau zur Straße ausgeglichen werden, um die Zufahrt zu den angedachten Parkplätzen zu ermöglichen. Da im Herbst naturgemäß außerdem mit vermehrtem Niederschlag zu rechnen ist und das Risiko eines Abrutschens sich signifikant erhöhen würde, bittet der Bürgermeister den Stadtrat um die Ermächtigung, die Baustelle selbst abzuwickeln, sobald das beauftragte Unternehmen tätig werden kann. Das Gremium erkennt die gebotene Eile und stimmt ausnahmslos zu. Die erwarteten Mehrkosten belaufen sich hierbei auf 65 000 Euro. Thomas Goller berichtet erfreulicherweise von guten Gesprächen mit der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) bezüglich weiterer Fördermittel.

Dann wird das Licht ausgeschaltet und der Osthofener Sommerhit „Missing Heart Shadow“ von North Alone schallt laut durch den Ratssaal der Stadt. Auf die Leinwand geworfen wird ein sehr sehenswertes YouTube Video zur Weinmeile 2018, ein Gitarre spielender Bürgermeister inbegriffen. Nur in Osthofen! Insgesamt sei die Veranstaltung ein Erfolg gewesen und glücklicherweise ein friedliches Fest, resümiert Thomas Goller. Das Public Viewing am Samstag sei organisatorisch wie finanziell eine heikle Angelegenheit gewesen, der Freitag jedoch ein umso stärkerer Tag. In Zukunft soll zusätzlich der Sonntag als „Familientag“ mehr zur Geltung kommen. Im nächsten Jahr steht in der angrenzenden Gemeinde Westhofen das 70. Jubiläum des Traubenblütenfests an. In solidarischer Abstimmung mit den Nachbarn soll der Termin für die Weinmeile im nächsten Jahr etwas variieren um während der Jubiläumsfeierlichkeiten genügend Raum zu lassen. Umgekehrt verspreche man sich ähnliches Entgegenkommen etwa bei einem runden Geburtstag der Osthofener Weinmeile. Außerdem wird beschlossen, für den Doppelhaushalt 2019/2020 jeweils 10 000 Euro zu Zwecken der Veranstaltung zurückzustellen.

Foto: Jannik Reinecke /Die Knipser

Für gemischte Gefühle sorgen die Mitteilungen an diesem Sitzungstag. Undankbare Neuigkeiten gibt es zu den Arbeiten an der Carlo-Mierendorff-Straße. Dort wurde festgestellt, dass das Material der vorhandenen Oberfläche nach den geltenden Bestimmungen gesondert und in Verbindung mit weiteren Kosten entsorgt werden muss. Was den wütenden Herbststurm Fabienne angeht, so sei die Stadt Osthofen recht glimpflich davon gekommen, so das Fazit des Bürgermeisters. Andere Gemeinden seien da stärker betroffen gewesen. Wir erinnern in diesem Zusammenhang etwa an Mommenheim, wo ein umgestürzter Kran einen Neubau unter sich begrub und auf freiem Feld ein Strommast umknickte. In Bad Kreuznach wurden mehrere Bäume entwurzelt und auf dem Aussiedlerhof in Nieder-Olm hat Fabiennes Toben einige Häuser derart verwüstet, dass sie unbewohnbar verbleiben.

Mit einem besonderen Anliegen wendet sich Walter Hangen als Behindertenbeauftragter der Verbandsgemeinde Wonnegau an den Stadtrat. Mehrfach schon wiesen ihn Bürger darauf hin, der Fahrstuhl auf dem Bahnhofsgelände sei derzeit nicht funktionsfähig. Auf seine Nachricht an die Deutsche Bahn erhielt er wenig überraschend keine zufriedenstellende Antwort. Eine leidige Erfahrung, die schon so einige Bundesbürger machen durften. „Zu Osthofen gehören nun mal auch Menschen, die zur Bewältigung ihres Alltags auf den Aufzug angewiesen sind“, betont Walter Hangen. Im demografischen Wandel ist jede Stadt gefragt, ihre Infrastruktur den Bedürfnissen einer alternden Bevölkerung anzupassen. Es sind nicht nur die täglichen Arbeits- und Versorgungswege der eigenen Einwohner. Möchte man auch als Tourismusziel attraktiv bleiben, müssen diese Bedürfnisse künftig stärker Berücksichtigung finden. Bürgermeister Goller möchte sich gemeinsam mit dem Behindertenbeauftragten beraten und eine Lösung finden.

Text: Dennis Maus/ Presseagentur Die Knipser

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