Zünftiger Jahresempfang auf der Fischerwääd

Foto: Mirco Metzler /Die Knipser

Am Willi-Schnee-Platz, getauft auf den Namen ebenjener urwormser Persönlichkeit, die sich so verdient gemacht hat um das maritime Brauchtum in der Nibelungenstadt, tummeln sich die Fischerwääder in den einschlägig bekannten, blau-weiß gestreiften Hemden mit der verkürzten Knopfleiste unter dem Hals und erfüllen die traditionelle Gasse mit herzhaftem Gelächter. Der Tannenbaum steht noch vor dem urigen Bauwerk mit den hölzernen Klappläden an den rot umrandeten Fenstern und auch einen wärmenden Glühwein gibt das trotzige Wetter noch her. „Guten Morgen Herr Laubfrosch“, begrüßt ein gerade eintreffendes Mitglied seinen offiziellen Bojemääschter Markus Trapp. Der ist abseits seines Engagements in der Brauchtumspflege als Schornsteinfeger tätig und hat zur Feier des Tages den feinen, grellgrünen Leprechaun Anzug übergestreift. Im Gewand des Glücksbringers ist ihm das Wohlwollen selbstverständlich sicher.

In Worms, do kennt doch jeder
Die brave Fischerwääder,
Es gibt kää feiner Sort,
Zu viel is do jed’ Wort.
Sie lewe still unn friedlich
Unn sinn aach urgemietlich,
Wann ääner nowel sich erweist
Unn halwe Määßcher schmeißt!

„Kommen Sie rein! Essen und trinken und rauchen Sie!“, heißt Markus Trapp alle Besucher willkommen und er hat nicht zu viel versprochen. Der Eingangsbereich führt vorbei an historischen Aufnahmen der Wormser Fischerweide und altertümlichen Wasserstraßenkarten zu Zeiten noch vor Tullas Rheinbegradigung. Auf den ersten Metern über den Flur wandert der Blick stetig von links nach rechts und wieder zurück auf all die überlieferten Werkzeuge und Landschaftsaufnahmen. Drinnen wartet rhoihessische Hausmacher Wurst in verschiedenen Variationen, mit Gewürzgurken und Zwiebeln fein angerichtet, dazu eine Scheibe kräftiges Brot oder warme Kartoffeln. Schließlich gehört auch der Genuss zur Tradition und muss erhalten bleiben.

Beim Trinke unn beim Spiele
Sie sich am wohlschte fiehle
Unn raache do debei
Zigarre Sticker drei.
Die Fraa wird reigewunke,
Muss aach ihr Schnutche dunke
Unn muss mit jedem trinke mol
Uff’s allgemääne Wohl!

In einem stimmungsvollen Jahresrückblick lässt der Kapitän die rückliegenden Ereignisse Revue passieren. Darin wird auch die unglückliche Standplatzpolitik auf dem Rheinland-Pfalz-Tag gerügt, wo man den Fischerwäädern ein sperriges Festzelt vor die Nase gesetzt hatte. Ansonsten freut man sich auch hier über ein friedliches wie freundliches Backfischfest und über den lohnenswerten Auftritt auf dem Mittelaltermarkt Spectaculum. Mit Wehmut erinnert man sich an das außerplanmäßige Ausscheiden des bisherigen ersten Vorsitzenden Erich Kegel, der aus persönlichen Gründen vorerst nicht mehr für die Amtsgeschäfte zur Verfügung steht, den Museumsbesuchern aber sehr wohl als Gästeführer weiter erhalten bleiben wird. Damit steht auch die Überleitung ins neue Jahr, gilt es doch nebst anstehender Renovierungsarbeiten am Stammsitz in 2019 einen würdigen Nachfolger zu finden. Dann kann auch in Zukunft der Erhalt heimatlicher Brauchtümer aus einer der ältesten Zünfte Deutschlands gewährleistet werden und alljährlich während des Backfischfestes in neuem Glanz erstrahlen.

Unn dann schluppt der brave Fischerwääder
Aus de Wasserstiwwel, aus de Klääder,
Aus de Socke, barfuß unn ganz leis,
So steiht’r in sein „Kahn“ enei’
Bei Newwel, Wind unn Eis!

Text: Dennis Maus/ Presseagentur Die Knipser

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen